Mit Öko-Gemüse nachhaltig Impulse setzen

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Rund um die malerische Stadt Linz in Oberösterreich befindet sich eine Gunstlage, die Familie Achleitner für sich zu nutzen weiß. Auf den äußerst fruchtbaren Böden im Donaubecken wird Gemüse in einer breiten Vielfalt angebaut: knackige Salate, Karotten, Brokkoli, Kohl, Paprika und Gurken zählen zu den 40 Kulturen, die auf dem Betrieb gedeihen. Seit 1990 wird der Betrieb ausschließlich nach den Grundsätzen der ökologischen Landwirtschaft bewirtschaftet. Das zahlt sich bei der Vermarktung aus: neben dem eigenen Großhandel, dem Bio-Markt und dem Bio-Restaurant auf dem Hof wird ein Großteil des Gemüses über den Bio-Kisten-­Vertrieb abgesetzt. 10 000 Kisten werden Woche für Woche über ein Abo-Modell an Haushalte ausgeliefert. Und bleibt doch noch Gemüse über, landet es nicht im Müll, sondern wird in der eigenen, bereits in den 1980er Jahren in Betrieb genommen Kompostieranlage zu wertvollem Dünger für die Ackerflächen.

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Um Gemüse vermarkten zu können, darf es nicht von der Norm abweichen. Es muss sowohl optisch als auch geschmacklich überzeugen. Jede Gemüsesorte stellt unterschiedliche Ansprüche an die Unkrautbekämpfung. Um flexibel reagieren zu können, setzt der Gemüsebaubetrieb auf eine schmale Hacke mit mechanischer Steuerung.

Damit sich die Pflanzen stark und gesund entwickeln, setzt Günter Achleitner auf erprobte ökologische Fruchtfolgen, auf Schädlingsbekämpfung durch Nützlinge und Netze sowie auf vorbeugenden biologischen Pflanzenschutz. Die Kreislaufwirtschaft – das Kennzeichen der ökologischen Landwirtschaft – wird hier par excellence gelebt. Der im aeroben Verfahren produzierte Kompost hält den Boden gesund. Die Pflege des Bodenlebens und des organischen Substanzkreislaufs für eine dynamische Boden- und Humusaktivität stehen im Fokus. Dazu gehört auch die Unterdrückung der Unkräuter. Der Einsatz von Nützlingen sowie natürlicher Pflanzennahrung ist für den Gemüsebaubetrieb wichtig. Die Kombination mit mechanischen Pflegemaßnahmen des Bodens wie Hacken, Striegeln und Abflammen von Unkrautkeimlingen gehört zu den ackerbaulichen Maßnahmen des Ökohofs.

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Das Donaubecken mit fruchtbaren Böden eignet
sich besonders gut für den Gemüseanbau. Mit entsprechendem Vermarktungskonzept lässt sich die Wertschöpfung optimieren. Dazu muss das Endprodukt für den Verbraucher nahezu perfekt sein. Eine Herausforderung an die Technik, um die Voraussetzungen zu schaffen.

Die Ansprüche der Verbraucher wachsen. So wird nicht nur an der Ladentheke einwandfreie Ware erwartet, sondern auch in der Bio-Kiste. Damit das Öko-Gemüse entsprechend wachsen kann, muss der Bestand möglichst frei von Unkräutern sein. Günter Achleitner hat dafür mehrere Werkzeuge verfügbar: zum einen wird frühestens nach fünf Jahren die gleiche Kultur auf dem Acker ausgepflanzt, zum anderen setzt er die beste Technik für die mechanische Unkrautbekämpfung ein. Um die Kosten im Griff zu behalten, müssen die händischen Arbeiten auf ein Minimum reduziert werden. Den Einsatz der Hacke gilt es immer tiefer in die Arbeitsabläufe zu integrieren.

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In puncto Hacktechnik setzt der Österreicher auf die Traditionsmarke Schmotzer, denn schon vor Jahrzehnten hat ein erstes Gerät den Betriebsleiter in der anfallenden Arbeit unterstützt. Um die Arbeitsanforderungen erfüllen zu können, hat Achleitner auf das Gerät eine Fingerhacke aufgebaut. Für den nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch denkenden Landwirt ist es wichtig, dass er mit einem einzigen Gerät die gesamte Fläche bearbeiten kann. Das bedeutet auch, dass sich die Hacke an alle Kulturen anpassen muss. Das Pflanzgut, vom Salat über Fenchel und Mangold bis hin zum Kohlgemüse, muss frei von Unkraut gehalten werden. Das schafft die nun vor zwei Jahren neu ­georderte, mechanisch gesteuerte Hacke. Dank dem breiten Angebot an Hackwerkzeugen konnte Achleitner die für ihn optimale Hacke zusammenstellen. Er setzt auf Fingerhacke und Hackstriegel. Der nachlaufende Striegel reißt das Unkraut aus, das von der Hacke nicht entfernt werden konnte.

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Haben früher mehrere Mitarbeiter in Handarbeit das Unkraut manuell aus den Gemüsebeständen entfernen müssen, so ist der Betrieb mit der Hacktechnik nun schlagkräftiger aufgestellt. Ein Mitarbeiter lenkt den Schlepper, ein zweiter Mitarbeiter sitzt auf der Hacke im Heckanbau und steuert exakt den Abstand der Finger zu den zarten Gemüsepflanzen. Die Handhabung ist äußerst einfach und in kürzester Zeit zu erlernen. Je nach Kultur muss der „Steuermann“ schnell reagieren: In sensiblen Kulturen fährt die Hackkombination mit Geschwindigkeiten unter 10 km/h durch den Bestand. Sind die Pflanzen schon größer und es handelt sich um den zweiten oder dritten Arbeitsgang, werden auch hier Geschwindigkeiten von 12 bis 15 km/h umgesetzt. Das Unkrautmanagement funktioniert auf diese Weise sehr gut und doch hat sich der Unternehmer ein weiteres Ziel gesetzt: Die Hacke soll von einer Kamera gesteuert werden. Hohe Anforderungen an eine sensible Technik, denen sich das Maschinenbauunternehmen Schmotzer stellen möchte. Denn jede nicht erkannte und durch die Technik verletzte Gemüsepflanze bedeutet Ernteausfall. Die Ernte darf jedoch nicht gefährdet werden, denn die Nachfrage nach ökologisch erzeugtem Gemüse wächst. Bester Beweis dafür: Das Gemüse wird für den ­Verkauf benötigt und landet nicht in der Tonne für die Kompostierung.

Steckbrief

Betrieb:

100 ha; Eferdinger Becken, Oberösterreich

Klima:

Durchschnittlich 800 mm Niederschlag pro Jahr; Durchschnittstemperatur: 9,7 °C

Boden:

30 bis 80 Bodenpunkte
sandige Lehmböden

Kulturen:

Sonderkulturen: 40 Gemüsearten

Fruchtfolge:

Mindestens 5-gliedrig

Arbeitskräfte:

4 Familienarbeitskräfte, 130 Angestellte ­(Vermarktung) und bis zu 40 Saisonarbeitskräfte (Landwirtschaft)

Maschinenbesatz:

9 Schlepper (davon 1 mit Lenksystem), 1 Striegel, 6 Hacken, 2 Grubber, 
1 Pflug, 2 Kreiseleggen, 1 Beetfräse, ­2 ­Sämaschinen (4-reihig), 1 Dammformer, 1 Abflammgerät, 1 Düngerstreuer, 1 Pflanzenschutzspritze, 2 Erntebänder, 1 Klemmbandroder, 2 Jätflieger