Hacken ist Präzisionsarbeit

Quer durch den Kräutergarten ––

Irgendwann kam der Zeitpunkt, an welchem sich Josef Jugovits aus Schachendorf im österreichischen Südburgenland nicht mehr ausschließlich dem Anbau von Marktfrüchten widmen wollte. Der Anbau von Weizen, Gerste, Mais, Sonnenblumen und Sojabohnen stellte nur noch wenige Herausforderungen an den Betriebsleiter. Ebenso gehörten der Anbau von Feldgemüse und Kartoffeln schon über viele Jahre hinweg zum Repertoire des Ackerbaubetriebs. Das trockene und heiße Klima im Dreiländereck Österreich, Slowenien und Ungarn liefert mit seinen fruchtbaren Schwarzböden beste Anbaubedingungen für Kräuter wie Fenchel, Mohn, Koriander und auch Druschgewürze – neue Kulturen für die Direktvermarktung und den Absatz bei festen Handelspartnern mit ­steigender Nachfrage.

Der Betriebsleiter ist ein wahrer Allrounder – Maschinenbauer, Bodenpraktiker, Landwirtschaftsmeister – was ihm in seiner täglichen Arbeit ein Vorteil ist. 2012 hat sich Josef Jugovits dazu entschlossen, die Frühjahrskulturen im Strip-Till-Verfahren anzubauen. Hierzu wird der Boden auf bis zu 30 cm Tiefe gelockert, der Block zwischen den Reihen bleibt jedoch unbearbeitet. „Ich habe mich für ein Mittelding aus Pflugsaat und Direktsaat entschieden, das nicht mit der Mulchsaat vergleichbar ist“, so der Österreicher. Sein Ziel ist dabei Wasser einzusparen und eine schnellere Bodenerwärmung im Frühjahr herbeizuführen. Bei einem Reihenabstand von 75 cm – in allen angebauten Kulturen – muss der Schlepper immer wieder die angelegte Spur finden, damit das System zum Tragen kommt.

Hacken ist Präzisionsarbeit
Hacken ist Präzisionsarbeit

Die Schlüsselmaschine auf dem Ökobetrieb ist die Hacke und nicht, wie oft vermutet, der Striegel. Die Argumente dafür liegen auf der Hand: nur mit der Hacke lassen sich gezielte und exakte Bodenlockerung, Unkrautbekämpfung und Häufelvorgänge durchführen. Die Hacke ist auf dem Betrieb im Burgenland von Mitte März im Mohn bis Anfang Juli in Sojabohnen im Einsatz. Dabei muss das Arbeitsgerät ein breites Spektrum an Hackeinsätzen meistern. Je nach Kultur, Boden, Temperatur und Feuchtigkeitszustand muss die Hacke eingestellt werden. Ein Kriterium, das für Josef Jugovits maßgeblich zur Kaufentscheidung beigetragen hat. Er fährt das 4-reihige Gerät ohne Kamerasteuerung im Frontanbau. Ansonsten bietet Schmotzer eine Angebotsvielfalt, die alle Ausstattungswünsche ermöglicht. Josef Jugovits hat sich bewusst für das Vibro-Federmesser und Schmotzer-Schare entschieden, die Schärfe und Materialgüte vereinen. Verstellbare Fingerhacken, Häufelscheiben und in der Breite punktgenau einstellbare Hackschutzrollen runden die Ausstattung des Arbeitsgeräts ab. Neben der Ausstattung achtet der gelernte Maschinenbauer aber auch auf die Konstruktion. „Mit der filigranen aber gleichzeitig auch stabilen Bauweise ist die Hacke nicht massiv und kann teilweise vibrieren, was dem Arbeitsergebnis zugutekommt“, so der Fachmann.

Die Unkrautbekämpfung ist das Hauptaufgabengebiet der Hacke auf dem Biobetrieb. Hier spielt sowohl die Arbeitsgeschwindigkeit als auch die Arbeitstiefe eine wichtige Rolle. Um Wasserressourcen zu schonen, werden die Maßnahmen nur in einer Tiefe von 2 bis 3 cm durchgeführt. Die Hacke muss dafür in der Reihe exakt in der Tiefe gehalten werden. Aber nicht nur das. Auch ein seitliches Ausbrechen durch Verwindungen der Einzelelemente gilt es zu verhindern. Um den gewünschten Erfolg zu erzielen, müssen die Hackschare mit einer möglichst hohen Geschwindigkeit durch die Bestände gezogen werden. Die dafür notwendige kinetische Energie wird bei einer Arbeitsgeschwindigkeit von 10 bis 11 km/h erreicht.

Hacken ist Präzisionsarbeit

Die Hackschare schneiden das Unkraut und auch den Boden ab. Gleichzeitig ist ein flaches, sanftes Arbeiten möglich, um Wasser einzusparen. „Bei 8 cm Arbeitstiefe wird die Wurzel beleidigt“, so der Bodenpraktiker. Und genau das fordert auch die Paradekultur, der Mohn. Drei Landwirte bauen auf den Ortsflächen 18 ha Mohn an. Nur mit einer speziellen, klimaangepassten Sorte wird das Ziel des perfekten Geschmacks erfüllt. „Der Mohn ist eine Diva auf dem Feld, berührt man sie einmal, liegt sie“, erklärt der Landwirt. Der Mohn ist eine zarte Pflanze im Jugendstadium, da bei der Aussaat von einem Hektar nur ein halbes Kilogramm Saatgut einen halben Zentimeter unter der Erdoberfläche abgelegt wird. Wird die Jungpflanze beim ersten Hackvorgang verschüttet, ist sie nicht mehr zu retten.

Auf der anderen Seite wird von einigen Kulturen wie beispielsweise Soja oder Mais das Häufeln verlangt. Sei es einerseits, dass ganz sanft Erde zur Pflanze hin angeschoben wird oder aber andererseits, dass die Pflanze komplett verschüttet wird. Erreicht wird dies durch den Einstellwinkel der Häufelscheiben. Präzision ist auch hier gefordert.

Steckbrief

Betrieb:

100 ha; Südburgenland, Österreich

Klima:

Durchschnittlich 500 mm Niederschlag pro Jahr; Durchschnittstemperatur: 9,2 °C

Boden:

65 bis 85 Bodenpunkte; Schwarzerde

Kulturen:

Weizen, Gerste, Erbsen, Linsen, Kichererbsen, Phacelia, Mais, Sonnenblumen, Sojabohnen, Feldgemüse, Kartoffeln, Sonderkulturen (Mohn, Fenchel, Koriander, Druschgewürze, Ölkürbis) – Ingesamt bis zu 33 Kulturen

Fruchtfolge:

Je nach Jahr, Klima und Boden, mindestens 7 Jahre Abstand bei kritischen Kulturen

Arbeitskräfte:

1 Familienarbeitskraft, 2 Angestellte und 2 Saisonarbeitskräfte

Maschinenbesatz:

2 Schlepper (davon 1 mit Lenksystem, beide mit Reifendruckregelung), 1 Striegel, 1 Hacke, 1 Grubber, 1 Saatbettkombination, 1 Sämaschine mechanisch, 1 Kurzkombi,
 2 Walzen, 1 Einzelkornsämaschine 75 cm, 1 Zinken-Sämaschine, 1 Frontpacker, Transportanhänger, Kompostwender

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