Grenzen überschreiten

Arbeitsurlaub hinter dem Deich ––

Das Herz des Osterhofs schlägt in Galmsbüll, einem kleinen Ort in Nordfriesland in direkter Nähe zur Nordsee. Zwanzig Kilometer entfernt ist die Grenze zu Dänemark. Dag Frerichs managt vom Aussiedlerhof aus den Betrieb: 990 ha in ökologischer Bewirtschaftung nach Demeter-Richtlinien. Allein in den letzten beiden Jahren ist der Betrieb stark angewachsen. 220 ha umfasst der eigene Betrieb in Deutschland, dazu kommen Pachtflächen in Dänemark sowie zwei Kooperationen mit einem Milchviehbetrieb, der derzeit 165 Kühe melkt, sowie einem Legehennenbetrieb mit Ackerbau. ­Bedingungen, die dem jungen Landwirt in ­Zeiten des Klimawandels so einiges abverlangen.

Um schlagkräftig agieren zu können und die Risiken bei Anbau und Vermarktung zu minimieren, konzentriert sich Dag Frerichs auf den Anbau von Hafer, Dinkel, Weizen, Gerste und Roggen. „Spezialitäten wie Winterraps, Ackerbohnen und weitere Leguminosen spielen eine untergeordnete Rolle. Experimente wie den Möhrenanbau habe ich vorerst aufgegeben“, so der Nordfriese. Auf einem Viertel der Fläche wachsen Futtergräser, mit welchen er die Kooperationspartner beliefert.

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Minuten- und Marschböden kennzeichnen die Region im hohen Norden. Da es nur sehr wenig Feldarbeitstage gibt, ist Schlagkraft gefragt. So sind die Betriebe vor Ort in der Regel übermechanisiert, um die anfallenden Arbeiten auf den zahlreichen Flächen fristgerecht erledigen zu können. Die größte Herausforderung ist die Kombination aus Regen und Ostwind. Dazu kommt noch der auf Ökobetrieben bekannte Unkrautdruck. Im Frühjahr ist deshalb der Einsatz des Pflugs in Kombination mit einer Kreiselegge gesetzt. Beide Maßnahmen sind zeitaufwendig, jedoch notwendig, um die schweren lehmigen Böden zu zerkleinern und ein perfektes Saatbett zu schaffen. Ein fester Maßnahmenkatalog, der abgespielt wird, um die Unkrautproblematik in den Griff zu bekommen.

Bei Winterungen erfolgt die Aussaat oftmals unter ungünstigen Bedingungen. Der Boden ist zu feucht und es ist kein Hacken mehr möglich. Die logische Konsequenz: Zu viel Unkraut im Frühjahr. Dann stößt das Kamerasystem zur Steuerung der Hacke an seine Grenzen, wie Dag Frerichs bereits feststellen musste. Die benötigten Farbkontraste, für den zielgenauen Kameraeinsatz unabdingbar, sind nicht vorhanden. Der norddeutsche Ackerbauer und die süddeutschen Programmierer sowie Konstrukteure stellen sich dieser Herausforderung und versuchen gemeinsam eine praktikable Lösung für die kommende Saison zu finden.

Lassen sich die geplanten Hackgänge im Herbst durchführen, so ist das Arbeitsbild hervorragend: lockerer Boden, keine Verschlämmung, Ackerfuchsschwanz zurückgedrängt. Der Hackvorgang im Frühjahr dient dann dazu, den Boden aufzubrechen, die Kapillare zu unterbrechen und die Wasserverdunstung zu minimieren. Ein Thema, das vor allem in den beiden vergangenen Jahren an Bedeutung hinzugewonnen hat. „Künftig werden wir häufiger mit Frühjahrstrockenheit zu kämpfen haben. Dieser müssen wir uns mit allen verfügbaren Mitteln entgegenstellen, um vernünftige Erträge einfahren zu können“, ist der Ackerbauer überzeugt. Ein möglicher und für alle Betriebe gangbarer Weg ist die Hacke. In gut entwickelten Beständen lässt sich ein RTK-gesteuerter Schlepper mit gut 8 km/h durch den Bestand fahren. Der Fahrer kann sich dann ausschließlich auf die Hacke konzentrieren und so ein optimales Arbeitsergebnis herbeiführen. „Die Technik erlaubt eine Zweitbeschäftigung, sodass ich den Hackeinsatz auch gern als Arbeitsurlaub bezeichne“, fügt der Landwirt schmunzelnd hinzu.

Das bestätigt Dag Frerichs bei der getroffenen Kaufentscheidung des Arbeitsgeräts von Schmotzer. Der Traum von einer kombinierten Maschine, die sowohl säen als auch hacken kann, konnte von den Landtechnikherstellern nicht erfüllt werden. So musste eine Lösung für zwei getrennte Verfahren gefunden werden, die bestmöglich aufeinander abgestimmt sind. Und hier konnte Schmotzer punkten:

In dieser Saison wird die Hacke erst mal in einem Körnermaisversuch auf leichten Standorten in Dänemark bei einem Reihenabstand von 75 Zentimetern eingesetzt. Und auch hier wird auf das Kamerasystem zurückgegriffen – bisher mit Erfolg.

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  • Bewährte Technik, die erprobt ist und am 
Ende einen hohen Restwert hat.
  • Schutzscheiben, die sich abrollen, anstatt Schutzbleche, die den Boden aufstauen.
  • Kombiparallelogramm für verschiedene Arbeitsbreiten als auch Reihenabstände, sodass viele Optionen für die diversen ­Kulturen gegeben sind.

Steckbrief

Betrieb:
990 ha; 220 ha in Nordfriesland, 
770 ha in Dänemark

Klima:
Durchschnittlich 1 000 mm Niederschlag pro Jahr; Durchschnittstemperatur: 8,5°C

Boden:
40 bis 85 Bodenpunkte; Minuten- und Marschböden, sandiger Lehm

Kulturen:
Hafer, Dinkel, Weizen, Roggen, ­Leguminosen, Raps, Silomais, Kleegras

Fruchtfolge:
Kleegras – Kleegras – Hafer oder Dinkel – Dinkel oder Hafer – Ackerbohnen – Roggen (verschiedene Varianten und zunehmender Zwischenfruchtanbau)

Arbeitskräfte:
1 Betriebsleiter, 1,5 Festangestellte, 2–3 Saisonkräfte

Maschinenbesatz:
3 Schlepper mit Lenksystem, 1 Striegel, 1 Hacke, 2 Grubber, 2 Pflüge, 1 Kreiselegge, 1 Sämaschine, 1 Mähdrescher

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