Ein Klassiker kehrt zurück

Digitalisierung unterstützt bei der Feldhygiene ––

Es ist erst fünf Jahre her, dass sich Sabine, Hermann und Simon Brell dazu entschlossen, den 200 ha umfassenden Ackerbaubetrieb im südlichen Landkreis Würzburg auf den ökologischen Landbau umzustellen. Und schon heute sind sie über ihre Region hinaus bekannt. Grund dafür ist einer ihrer Betriebsschwerpunkte, die Saatgutvermehrung von Druschfrüchten. Zehn Fruchtfolgeglieder sind in die Ackerbaustrategie auf dem landwirtschaftlichen Betrieb in Bütthard integriert.

Bei der Vermehrung von Ökosaatgut gelten die gleichen Bedingungen wie im konventionellen Anbau. Die Anforderungen an die Feldhygiene sind hoch. So muss die Ernte beispielsweise frei sein von Fremdgetreide und Unkräutern wie Klettenlabkraut und Ampfer. Seit Beginn 2019 setzt der Betrieb auch in diesem Betriebszweig auf die Unterstützung der Hacktechnik von Schmotzer. Für die vorhandene Hacktechnik mit Kamerasteuerung wurde eine zweite Hackschiene für 25er-Reihen ­angeschafft. Damit sind nun auch Hackvorgänge in Getreide und Körnerleguminosen realisierbar. Das erhöht die Schlagkraft und erzielt größere Erfolge bei der Bekämpfung von Wurzelunkräutern als der alleinige Striegeleinsatz. Auf dem Betrieb ergänzen sich die beiden Systeme. Im ersten Arbeitsgang nach der Saat wird den Unkräutern im Keimfadenstadium mit Blindstriegeln zu Leibe gerückt. Nach dem Auflaufen erfolgt im 2- bis 3-Blatt-Stadium ein weiterer Striegelgang. Von nun an wird gehackt. Je nach Kultur auch in Kombination mit dem Striegel. Im Sojaanbau sorgt die Hacke für ein Anhäufeln beziehungsweise Verschütten der Unkräuter. Damit es zu keiner Wachstumshemmung der Kulturpflanze kommt, wird die Erde mit dem Striegel wieder abgetragen. Mit dieser Strategie will der Betrieb die Sortenanerkennung dauerhaft sicherstellen.

Ein Klassiker kehrt zurück
Ein Klassiker kehrt zurück

Doch den Einzug hat die Hacke auf dem Brell’schen Betrieb schon viel früher erhalten. In Unterfranken wurden schon immer sehr viele Zuckerrüben angebaut und die Hacktechnik von Schmotzer ist klassisch im Rübenanbau beheimatet. Dass die Hacke nach Jahren der Abstinenz wieder Einzug in den Maschinenpark erhalten hat, liegt nicht nur an der Umstellung der Bewirtschaftungsweise. Simon Brell hat sich vor seinem Einstieg in den Familienbetrieb detailliert mit der mechanischen Unkrautregulierung an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau auseinandergesetzt. Automatische Steuerung über GPS-Signale verbunden mit klassischer Hacktechnik – was im Gemüsebau funktioniert, lässt sich auch für traditionelle Marktfrüchte anwenden. Wo früher eine zusätzliche Person auf dem Hackgerät gesessen hat, um mit Handsteuerung nachzuregeln, erledigt das inzwischen das „Dritte Auge“, die Kamera. Das spart nicht nur die aufwendige Handarbeit, sondern verhindert auch ungewollte Schäden in den Kulturpflanzen.

In Bütthard wird seit 2016 neben Zuckerrüben auch Rote Beete als Feldgemüse angebaut. Diese ist im Anbau ähnlich der Zuckerrübe, jedoch zwei Wochen später in der Aussaat. Damit entzerren sich die Hackzeitpunkte und die Verteilung der Arbeitsspitzen sowohl beim Hackgerät als auch bei der Handhacke. Die 12-reihige Rübenhacke für 50 cm Reihenabstand ist mit Einzelparallelogrammaushebung ausgestattet. Diese kommt vor allem am Vorgewende und an Spitzkehren zu Einsatz. Gesät wird mit RTK-Unterstützung auf dem Schlepper. Für die Hackarbeit ist diese jedoch nicht geeignet: Die Flächen haben zu viel Seitenhang, sieben bis zehn Prozent sind keine Seltenheit. Würde sich Simon Brell nur an der Saatspur orientieren, müsste er mit dem Schlepper auf der Reihe fahren, damit die Hacke das Unkraut optimal erreicht. So aber kommt der AV5-Verschieberahmen zum Einsatz. Hier sind zusätzlich zwei Hangscheiben montiert, die der Stabilisierung dienen. Die Steuerungsgenauigkeit nimmt um ein Vielfaches zu. Mittels Verschieberahmen lässt sich die Hacke dabei bis auf wenige Zentimeter an die Pflanze heranfahren. „Für den Gemüsebau gibt es sogar Anlagen, die noch eine Schippe obendrauf legen“, erläutert Simon Brell. Denn hier wird nicht nur entlang der Saatreihe gehackt. Durch einzeln angeordnete Werkzeuge kann vielmehr sogar im Zwischenraum der Pflanzen gehackt und somit der Beikrautwohlfühlzone ein Strich durch die Rechnung gemacht werden. Bereits im BBCH 14 wird die Schmotzer-Hacke erstmals eingesetzt. Die Schlagkraft ist durch die Vorfahrtsgeschwindigkeit von 2 bis 4 km/h jedoch noch gering, da die Fingerhacke zielgenau entlang der noch kleinen Rübenpflanzen geführt werden muss. Mit jedem Arbeitsgang nimmt die Geschwindigkeit zu. Ab dem vierten Hackgang wird auf die Fingerhacke verzichtet. So lassen sich im Mittel rund 3 ha/Stunde (schlaggrößenabhängig) bearbeiten.

Ein Klassiker kehrt zurück

Ein besonderes Augenmerk legt Junglandwirt Simon Brell auf den Einsatzzeitpunkt: Der Boden darf nicht zu feucht sein. Zum einen ist das Maschinengewicht relativ hoch, was ungewollte Bodenverdichtungen erzeugen würde, zum anderen leidet die Kulturpflanze. Ist der Boden zu feucht, neigt er dazu, sich vor dem Schar oder dem Messer aufzustauen. Kurz vor der Hackschutzrolle fällt dann der schwere Boden auf die Kulturpflanze. Im Rübenbestand bedeutet dies Totalausfall. Doch auch hier haben die Ingenieure einen Tipp zur Hand: Die Messer der Hacke müssen tiefer gestellt werden, sodass die Vibration zunimmt. So wird das Hackschar kontinuierlich freigerüttelt. Und das ist es, was für die Familie Brell den Einsatz der klassischen Hacktechnik zum Erfolgsgaranten macht: Die jahrelange Erfahrung des Familienunternehmens Schmotzer und die hilfreichen Tipps zur Maschineneinstellung unter schwierigen Einsatzbedingungen.

Steckbrief

Betrieb:
200 ha; Bütthard (Bayern)

Klima:
Durchschnittlich 580 mm Niederschlag pro Jahr; Durchschnittstemperatur: 9,2°C

Boden:
50 bis 80 Bodenpunkte; Lösslehm

Kulturen:
Getreide (Winterkulturen: Weizen, Triticale, Dinkel; Frühjahrskulturen: Gerste, Hafer, Ackerbohnen, Erbsen, Soja), Zuckerrüben, Rote Beete

 

Fruchtfolge:
Leguminosen – Weizen – ­Zuckerrüben 
Sommer­getreide – Triticale 
Dinkel – Soja – Weizen

Arbeitskräfte:
3 Familienarbeitskräfte und 10 Saison­arbeitskräfte

Maschinenbesatz:
2 Schlepper mit Lenksystem, 1 Striegel 12 m, 2 Hacken, 3 Grubber, 1 Flach-Tief-Feingrubber, 1 Pflug, 1 Kreiselegge

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