Darf es etwas mehr sein?

380 Hektar bio – logisch!

Pierre Ramnick ist kein Unbekann­ter in der Öko-­Szene. Alle zwei Jahre lädt das Landtechnikunternehmen Schmotzer ins unterfränkische Greußenheim auf den Bioland-Betrieb zum Hacktag ein. Bis zu 400 Besucher aus nah und fern folgen diesem Ruf, denn sie wissen die offene und ehrliche Art des Betriebsleiters zu schätzen. Mittlerweile kann Pierre Ramnick auf über zehn Jahre Hackerfahrung mit Kamerasteuerung zurückblicken. Er ist ein ausgesprochener Technikfan und verbringt viel Zeit damit eigene Ideen zu verwirklichen. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Kameratechnik bei Schmotzer Einzug gehalten hat. Doch an dieser Stelle soll nicht Schluss sein. Tüftler Ramnick ist der Überzeugung, dass noch viel mehr mit ­optischen Sensoren im Ackerbau gearbeitet werden kann. Nun aber zurück zu den Ursprüngen.

2004 begann Pierre Ramnick als Erster im unterfränkischen Greußenheim seinen Betrieb auf die ökologische Wirtschaftsweise umzustellen. Nicht aus ideologischen Gründen, und auch nicht von langer Hand geplant. Einfach erklärt: Statt in neue Pflanzenschutztechnik zu investieren, haben sich Pierre Ramnick und sein Vater Norbert kurzerhand entschlossen, auf ökologischen Landbau umzusteigen. „Wirtschaftlich habe ich den Umstieg nie bereut, denn die Erlöse waren über Jahre hinweg besser als zu konventionellen Zeiten“, erklärt der Landwirt. Dass es sich um keine Eintagsfliege handelt, haben auch die Berufskollegen festgestellt. Sukzessive stellen die Greußenheimer die Bewirtschaftungsform um. Von den zur Flur gehörenden 1 600 ha werden mittlerweile 90 Prozent ökologisch bewirtschaftet. Eine Zahl, die weit über den Prozentsatz hinausgeht, die von der Politik bis 2030 erreicht werden will.

Die einzelnen Arbeitsschritte bis zur Vermarktung der Ernte dürfen jedoch nicht unterschätzt werden, mahnt Pierre Ramnick. Die Arbeit auf dem Feld muss zum richtigen Zeitpunkt erledigt werden. Die eingesetzte Technik spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Hacke ist das Mittel der Wahl. Durchschnittlich werden die rund 200 Flurstücke im kleinstrukturierten Unterfranken ein bis zwei Mal gehackt. Beim ersten Hackdurchgang, der im Keimblattstadium der Kulturpflanze erfolgt, wird mit einer geringen Geschwindigkeit von 4 bis 5 km/h gearbeitet. Sind die Pflanzen schon größer, kann auch zügiger gefahren werden – bis zu 12 km/h sind gegen Ende der Vegetation möglich. Die Flächenleistung ist folglich abhängig vom Wachstumsstadium des Getreides. „Die Kamerasteuerung funktioniert im Getreide vom 2-Blatt-Stadium bis zum Ährenschieben tadellos, das Unkraut wird zuverlässig vernichtet“, so der Ackerbauer.

Darf es etwas mehr sein?
Darf es etwas mehr sein?

Im Herbst und im Frühjahr hält der Betriebsleiter das Unkraut mit der Hacke in Schach. „Der Vorteil der Hacke gegenüber beispielsweise dem Striegel ist, dass ich zeitlich etwas unabhängiger bin“, erklärt Ramnick. Selbst wenn das Unkraut schon etwas höher ist, lassen sich mit der Hacke noch gute Ergebnisse erzielen, bei entsprechenden Kulturen auch in der Reihe durch Anhäufeln.

Im Frühjahr wird die Hacke zudem zum Brechen der Kruste eingesetzt. Der Boden erwärmt sich so schneller und es wird Stickstoff freigesetzt, der dann der Pflanze zur Verfügung steht. Wenn das Getreide im Frühsommer mit der Abreife beginnt, nimmt der Unkrautdruck wieder zu. Licht kommt zwischen die Reihen und fördert den Fremdbewuchs. Dann wird es Zeit die Reihe komplett anzuhäufeln, um das Unkraut zu ersticken. Der Arbeitsschritt erfolgt im Mai oder Juni beim Schossen des Getreides. Das hat der experimentierfreudige Landwirt in diesem Jahr erst mal im Hafer und Weizen versucht. Mit Erfolg, wie er nach der Ernte bestätigen kann. Die klimatischen Bedingungen haben mitgespielt und es kam zu keinem Pilzbefall. Im Getreide arbeitet Ramnick mit einem Reihenabstand von 30 cm und der gleichen Aussaatstärke wie bei 15 cm. Damit schafft er die besten Voraussetzungen für die mechanische Unkrautbekämpfung und fördert zudem eine zügige Bestockung in die Breite.

Darf es etwas mehr sein?

Seitenhänge sind Herausforderungen, denen sich die Hacktechnik in der Regel nur selten stellen muss – nicht so bei Ramnick. Heute kommt in Unterfranken eine 8-m-Getreidehacke mit Parallelverschieberahmen und Kameratechnik zum Einsatz. So ist es möglich, dass der Schlepper konsequent in den Fahrgassen fährt und sich die Hacke im Heckanbau entsprechend der Signale der Kameratechnik auf dem Verschieberahmen bewegt. „Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber den Ursprüngen vor etwas über zehn Jahren“, erinnert sich der Tüftler. Damals war die Hacke noch in der Fronthydraulik.

Sowohl Pierre als auch Vater Norbert Ramnick erinnern sich daran, wie ein Arbeitsalltag ablief: hoch konzentriert mussten sie die Hacke am Seitenhang durch Gegenlenken auf Spur bringen. Der Schlepper fuhr oftmals versetzt zur Fahrgasse. Ein Zustand den Ramnick nicht akzeptieren wollte. So begann sich der Landwirt mit Kamerasystemen auseinander zu setzen, suchte Kontakt zu den Ingenieuren von Schmotzer und fand dort auch Gehör. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten mit der Technik wurde das Zusammenspiel von Soft- und Hardware ständig optimiert, sodass der Unterfranke heute mit der Technikausstattung zufrieden ist.

Allein auf die Hacktechnik will sich Ramnick jedoch nicht verlassen. Auf dem pfluglos arbeitenden Betrieb wird deshalb ein besonderes Augenmerk auf die Fruchtfolge gelegt. Ein Arbeiten ohne Pflanzenschutzmittel ist nur möglich, wenn die Ursachen von Pflanzenkrankheiten verstanden werden. Durchdachte Fruchtfolgen sind ein Muss, auch um einen ausgeglichenen Stickstoffhaushalt zu erhalten. Erkenntnisse, die dem Betriebsleiter bei den aktuellen Forderungen der Agrarpolitik in die Karten spielen.

Steckbrief

Betrieb:
380 ha; Greußenheim (Bayern)

Klima:
Durchschnittlich 626 mm Niederschlag pro Jahr; Durchschnittstemperatur: 9,2 °C

Boden:
35 bis 80 Bodenpunkte;
Lösslehm (hoher Steinbesatz)

Kulturen:
Getreide, Ackerbohnen, Kartoffeln

Fruchtfolge:
Abhängig von Boden, Nährstoffversorgung und Verunkrautung

Arbeitskräfte:
1,5 Familienarbeitskräfte, 1 Angestellter

Maschinenbesatz:
3 Schlepper mit Lenksystem, 1 Striegel,
2 Hacken, 2 Grubber, 1 Kreiselegge

Hier den Beitrag als Video ansehen: